Behandlung von Menschen mit Intelligenzminderung (IM), die eine Straftat begangen haben

Menschen mit einer Intelligenzminderung weisen ein erhöhtes Risiko auf, Sexualstraftaten zu begehen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und speisen sich aus verschiedenen Quellen. Zu einem verfügen Menschen mit einer Intelligenzminderung über geringe Kenntnisse zum Thema Sexualität. Weiterhin wird ein Intimitätsdefizit, gerade bei höherem Hilfebedarf, als Ursache angenommen. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko eigener sexualisierter Gewalterfahrungen bei Menschen mit Intelligenzminderung.

Auch eine erhöhte Impulsivität und psychiatrische Komorbiditäten als Einflussfaktoren zur Erhöhung des Risikos für Sexualstraftaten sind bekannt. Schließlich wird das erhöhte Risiko für Sexualdelikte als eine Folge der Unterbringung von Menschen in Einrichtungen gesehen und der dadurch verminderten Möglichkeit, emotional bedeutsame, auch sexuelle Beziehungen im Wohnbereich zu erleben.


Es gibt verschiedene Behandlungsoptionen, die ambulant angewandt werden können, um das erhöhte Risiko von Sexualstraftätern mit einer IM, rückfällig zu werden, zu mindern. In dem Workshop werden ambulante psychotherapeutische Behandlungsmethoden vorgestellt. Vorbild ist dabei vor allem ein adaptiertes Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter mit IM aus der Schweiz, welches aktuell im Jahr 2018 im Journal of Intellectual Disabilities and Offending Behaviour von Andrea Hollomotz veröffentlicht wurde.

Dr. Tatjana Voß

Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Forensische Psychiatrie. Seit 2010 Leiterin der Forensisch-Therapeutischen Ambulanz des Instituts für Forensische Psychiatrie an der Charité, Universitätsmedizin Berlin

Seitennummer: 00956
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