Uwe Straßburger kocht als Freiwilliger für Wohnungslose

Heute hat er Linsensuppe gekocht. Speckschwarten, Gemüse, Würstchen, Brühe und ein paar Kartoffeln. Seinen Gästen schmeckt‘s. Die Gäste von Uwe Straßburger sind Wohnungslose, die in die Tagesstätte des Unionhilfswerks kommen. Der 61-Jährige kocht Samstag und Sonntag mit großem Vergnügen für die Menschen, die überwiegend auf der Straße leben.

„Ich weiß, was Armut ist“, betont Straßburger und erzählt vom Auf und Ab in seinem Leben. Er war selbst einmal zweieinhalb Monate ohne Obdach, wusste nicht mehr weiter. Irgendwann kam er zur Tagesstätte für Wohnungslose in der Gustav-Freitag-Straße in Schöneberg, freute sich über den Zuspruch und das Essen dort. „Dann haben sie mich schon nach kurzer Zeit gefragt, ob ich nicht mithelfen will, als Freiwilliger.“

Heute gehört der fröhliche Mann zum festen Team der Freiwilligen, packt mit an, wo er kann. Kochen ist seine Leidenschaft. Auch aus wenigen Zutaten bereitet er schmackhafte Gerichte zu. Die Brühen für die Eintöpfe setzt er meist selbst an. „Da ist nichts aus der Büchse“, betont er. Die Lebensmittel sind meist Spenden von der Berliner Tafel oder anderen Organisationen. „Wir wissen oft nicht, was kommt – aber dann improvisieren wir.“

Uwe Straßburger trägt an diesem Tag einen hellgrünen Sweater mit der Aufschrift „Unionhilfswerk“. Die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wird, ist ihm wichtig. Er ist bei Sozialarbeitern und Wohnungslosen anerkannt, hält immer mal wieder ein Schwätzchen, erkundigt sich, wie es dem anderen geht. Körperlich sei er nicht mehr so kräftig, wie er mal war, sagt Straßburger, aber genug Energie habe er. Für seinen Einsatz als Freiwilliger bekommt Uwe Straßburger eine Aufwandsentschädigung. „Natürlich geht es mir nicht ums Geld, aber unwichtig ist es auch nicht“, sagt er und erzählt, dass er von Hartz IV lebt.

Die Freiwilligenarbeit gibt ihm Struktur und erfüllt ihn mit Stolz. „Es gibt viele Menschen, die es schwer im Leben haben“. Beim Kälteeinbruch im Februar war es besonders problematisch, denn ein Aufenthalt im Freien war kaum möglich. Für Menschen ohne Wohnung ein Riesenproblem.

Auch die Corona-Pandemie macht vielen zu schaffen. So dürfen sich derzeit immer nur 16 Gäste in der Tagesstätte aufhalten. Vor Corona waren es 32 Personen gleichzeitig. Jetzt müssen Abstände gewahrt und Masken getragen werden. Auch der Ablauf wurde umgestellt. Nun gibt es zweimal am Tag ein warmes Essen. Denn bei 16 Gästen ist nach der ersten Essenausgabe Schluss. Das verlangen die Corona-Schutzmaßnahmen. Nach zweieinhalb Stunden wird ausgiebig gelüftet und die Tische desinfiziert, dann dürfen die nächsten 16 Gäste kommen.

Uwe Straßburger ist es wichtig, dass sich jeder wohlfühlt. „Letzten Sonntag hatten wir sogar Kassler mit Sauerkraut. Das war ein richtiges Festessen“, sagt er mit einem Schmunzeln und muss schnell zurück an den Herd. Das Sonntagsessen für den nächsten Tag muss vorbereitet werden.  

Text und Foto: Manuela Kasper-Claridge

Seitennummer: 01152
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