Theaterensemble PAPILLONS

Das Theaterensemble PAPILLONS im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ erprobt mit Menschen mit Demenz - gemeinsam mit professionellen Künstler*innen - künstlerische Darstellungsformen, die bisher nicht realisierbar schienen.

Die experimentelle, musikalisch-schauspielerische Arbeit mit den Bewohner*innen knüpft immer an deren Biografie und Erfahrungswelt an und weckt so Erinnerungen, Bilder und Emotionen aus der Vergangenheit, die unter dem Schleier der Erkrankung längst verschwunden schienen.

Letztes Projekt: STILLLEBEN

„Wir sind Endlebenskünstler“ (Irène Swiatopolk-Mirska)

Dieses stille Leben – aufgezwungen durch zwei Lockdowns und strenge Kontaktbeschränkungen – hat manche der Akteur*innen der PAPILLONS im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ fast zum Verstummen gebracht. Den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren, bedeutete für viele Bewohner*innen Einschränkung und Vereinsamung. Die Mitarbeitenden der Einrichtung gaben sich alle erdenkliche Mühe, immer wieder Lichtblicke in den Alltag zu zaubern. Und das kam an.

Nachdem im Jahr 2020 für den Film INNEN LEBEN im Pflegewohnheim nur Akteur*innen an Fenstern und Balkonen und die Musiker*innen im Vorgarten erlaubt waren, war in diesem Jahr vorerst keinerlei Live-Veranstaltung mehr möglich. Bedingt durch die Pandemie mussten daher die ursprünglich geplanten weiteren Aktivitäten der PAPILLONS in neue Bahnen gelenkt werden, um die Hörbarkeit der Stimmen der Bewohner*innen des Pflegewohnheims zu erhalten.

In der Melancholie des winterlichen Lockdowns entstand so die Idee zum 3-teiligen Podcast STILLLEBEN. Kinder aus der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli nahmen zeitgleich per Brief Kontakt auf zu den Bewohner*innen des Pflegewohnheims „Am Kreuzberg“.
Künstlerinnen und Künstler realisierten daraufhin Begegnungen der Kinder mit den Hochaltrigen per Zoom. In einem Vorbereitungstreffen mit den Schüler*innen wurde ein roter Faden für die virtuellen Gespräche entwickelt. Fragen nach dem Alltag, nach prägenden Lebensrhythmen und Wünschen für die Zeit, die bleibt, bildeten den Einstieg für sehr persönliche Gespräche zwischen den Generationen.

Mal hell, laut und verspielt, dann wieder murmelnd leise bringen die Alten und die Kinder, welche sich noch nie physisch begegnet sind, Persönliches aus ihrem nicht immer stillen Leben zum Ausdruck. Musiker*innen schaffen für die Erzählungen einen Resonanzraum. Beiläufig geäußerte Lebensweisheiten der alten Menschen werden als Liedtexte vertont und finden so ein musikalisches Weiterleben. Aus Stillleben wird „still alive“. Aus vielen Stimmen und Klängen entfaltet sich ein weites Lebenspanorama, in dem auch Stimmen der verstorbenen Akteure der PAPILLONS Gehör finden.

Der 3-teilige Podcast wurde gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit freundlicher Unterstützung der Forberg-Schneider-Stiftung.

Akteur*innen:

Hanne-Lore Hühn (in memoriam), Maria Langgärtner, Bernd Leichsenring, Heiderose Neumann (Mundharmonika), Thorsten Schüler, Irène Swiatopolk-Mirska, Udo Thiel, Elvira Werthmüller u.a.

Schüler*innen der Hai-Klasse der Grundstufe der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli:
Noa Brecht, Aniela Hinck, Lucia Kerkhoff, Urlee Lkagva, Olivia Oberhofer, Flora Pabst

Musik/Kompositionen/Gesang/Klavier/Keyboard:
Birthe Bendixen, Christoph Grund

Regie/Konzept:
Birthe Bendixen, Christoph Grund, Christine Vogt

Konzeptuelle Mitarbeit: Silja Landsberg

Horn: Benno Trautmann

Sprecher: Michael Hanemann

Schnitt/Tonmischung: Studio Grund-Bendixen

Künstlerische Leitung/Interviews: Christine Vogt

Gestaltung Banner: Silja Landsberg

Foto & Komposition: Anika Spereiter

Zurückliegende Projekte

INNEN LEBEN

„Wenn ein alter Mensch stirbt brennt eine Bibliothek.“

INNEN LEBEN ist ein Film, der im August 2020 im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ entstand (Regie, Kamera: Friederike Bérat) . Durch die Corona-Krise müssen die Bewohnerinnen und Bewohner sehr eingeschränkt leben. Vielen von ihnen ist es aber wichtig, etwas weiterzugeben.

Das Projekt PAPILLONS gibt seinen Akteur*innen Halt und Freude im Alltag, der insbesondere zu Corona-Zeiten aus den Fugen geraten ist. Erlebtes wird plötzlich wieder erinnert und Brücken in die Vergangenheit gebaut, trotz Demenz.

Die Akteurinnen und Akteure der PAPILLONS an Fenstern und auf Balkonen erzählen von dem, was in der Abgeschiedenheit besondere Bedeutung bekam: Wichtige Lebenskapitel der alten Zeitzeugen sind geprägt von Erinnerungen an Flucht und Hungersnot der Nachkriegszeit, aber auch von Rettung und Lebenslust.

Ein Ensemble aus Musiker*innen und Sänger*innen bespielt den Hof vor dem Pflegewohnheim und bettet die Menschen und ihre Erzählungen in einen Resonanzraum. Eine klingende Brücke entsteht – als Gabentausch zwischen den Generationen.

Herztöne

Wie wirkungsvoll diese Form der Theaterarbeit für die Mitglieder der PAPILLONS ist, zeigte sich im Juni 2019 bei der Premiere der zweiten Inszenierung. Mit dem Singspiel „Herztöne“ betraten die Darsteller aus dem Pflegewohnheim über akustische Impulse Brücken in ihre Vergangenheit: Lieder aus ihrer Kindheit und Jugend lösen Erinnerungen, Bilder, Emotionen aus, die unter dem Schleier der Erkrankung längst verschwunden zu sein schienen.

Durch angespielte Melodien oder kurze Episoden aus der Kindheit der Ensemble-Mitglieder erinnerten diese sich an vergessene Lieder und begannen zu singen. Plötzlich entstanden eine Bühnenpräsenz und eine Begeisterung, die nicht nur die Angehörigen oder die Pflege- und Betreuungskräfte überraschte und faszinierte.
Möglich wurde dieser Kontakt mit dem, „was im Herzen tönt“ durch die kontinuierliche experimentelle musikalisch-schauspielerische Arbeit mit den Bewohnern mit und ohne Demenz, immer anknüpfend an deren Biografie und Erfahrungswelt.

Ansprechpartner*innen

Stefanie Wind

Fachbereichsleitung Stiftungsprojekte

030 / 4 22 65-840

0173 / 6 16 10 86

Stiftung Unionhilfswerk Berlin

Schwiebusser Straße 18
10965 Berlin